Bereits lange vor dem Inkrafttreten des AGG haben zahlreiche Unternehmen, Organisationen sowie öffentliche Einrichtungen und Verwaltungen gezielte Fördermaßnahmen zum Abbau von Diskriminierungen und zur Verbesserung der Repräsentation verschiedener gesellschaftlicher Gruppen erfolgreich umgesetzt. Im Rahmen eines umfassenden Diversity Management werden ebenfalls viele Maßnahmen durchgeführt, die durchaus in diesen Kontext gehören (auch wenn sie oft noch nicht so bezeichnet werden).
Lange Zeit standen dabei Maßnahmen zur Gleichstellung von Frauen und Männern sowie der Verbesserung der beruflichen Situationen von Menschen mit Behinderung im Fokus. In den vergangenen Jahren wurden – nicht zuletzt vor dem Hintergrund des deutlichen demographischen Wandels – auch verschiedene Positive Maßnahmen zur Verbesserung der gesellschaftlichen Chancen von Menschen mit Migrationshintergrund oder für ältere ArbeitnehmerInnen ergriffen.
Wie rechtlich unproblematische und erfolgreiche Positive Maßnahmen gestaltet sein können, lässt sich an den in diesem Abschnitt vorgestellten Beispielen aus Unternehmen, Organisationen und öffentlichen Einrichtungen und Verwaltungen erkennen. Die hier versammelten Praxisbeispiele zeigen, dass in Verbindung mit der notwendigen Unterstützung durch Führungskräfte, einem entsprechenden (politischen) Willen zur nachhaltigen und umfassenden Umsetzung und der Bereitstellung der erforderlichen personalen, finanziellen, zeitlichen und institutionellen Ressourcen Positive Maßnahmen einen entscheidenden Beitrag zur Weiterentwicklung von Organisationen auf ihrem Weg zu einer offenen, inklusiven und Diversität wertschätzenden multikulturellen Organisation leisten können.
- Im Rahmen ihrer interkulturellen Öffnung setzen zahlreiche deutsche Kommunen vielfältige Positive Maßnahmen zur Verbesserung der Repräsentation von Menschen mit Migrationshintergrund in der kommunalen Verwaltung um. Dr. Hubertus Schröer und Franziska Szoldatits stellen die für ihre Vorreiterrolle bundesweit viel beachtete Interkulturelle Öffnung der Stadt München vor.
- Die Berliner Kampagne „Berlin braucht dich“, mit der durch gezielte Ansprache Jugendliche mit Migrationshintergrund zur Bewerbung für eine Ausbildung in der kommunalen Verwaltung motiviert werden, stellen Dragica Horvat und Agnese Papadia vor.
- Sun-ju Choi und Militiadis Oulios zeigen, wie Positive Maßnahmen im Bereich der Medien die Situation verbessern können und diskutieren zugleich Chancen und Fallen solcher Initiativen.
- Mentoring-Programme sind insbesondere im Bereich der Gleichstellung von Frauen und Männern eine seit Langem bewährte Positive Maßnahme. Ana-Violeta Sacaliuc beschreibt das Erfolgsmodell des Frankfurter Berami-Mentoring-Projekts für qualifizierte MigrantInnen und erläutert den Unterschied zwischen einer zielgruppen- und adressatenorientierten Positiven Maßnahme.