Das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei am 31. Oktober 1961 markierte den Beginn der türkischen Einwanderung nach Deutschland. Zuvor waren bereits mit anderen Ländern wie Italien, Griechenland, Jugoslawien und Spanien „Gastarbeitnehmerabkommen“ zur Anwerbung von Arbeitskräften unterzeichnet worden. Millionen Menschen - nicht nur Arbeitskräfte - sind so nach Deutschland gekommen. Viele sind aus diversen Gründen wieder zurückgekehrt, viele sind in der Folge hier geboren, viele hier alt geworden und gestorben. Die Anwerbeabkommen haben die soziale, kulturelle und politische Realität Deutschlands nachhaltig verändert – viel mehr, als das den damaligen Verantwortlichen bewusst war. Aus „Gastarbeitern“ wurden Einwohner, aus Italienern, Jugoslawen, Türken millionenfach deutsche Staatsbürger.
50 Jahre nach dem Anwerbeabkommen mit der Türkei ist die Bundesrepublik in der Realität eines Einwanderungslandes angekommen. Menschen türkischer Herkunft sind heute fester Bestandteil der Gesellschaft. Sie haben das Alltagsleben in vielen Bereichen verändert und spielen eine wachsende Rolle im öffentlichen Leben. Auch sie sind hier angekommen. Trotz aller Probleme und Abgrenzungen ist die türkische Einwanderung unter dem Strich eine Erfolgsgeschichte. Allerdings sind die Erfolge nicht auf alle Zeit verbürgt – ungelöste Probleme führen zu gegenseitiger Entfremdung aber auch zu selbstbewusster Konfliktbereitschaft. Wir wollen deshalb ein halbes Jahrhundert nach Inkrafttreten des Anwerbeabkommens Bilanz ziehen und den Blick nach vorn richten: Welche Lehren können wir aus der Geschichte der Einwanderung nach Deutschland für die Zukunft ziehen?
Auf der Konferenz
Vom Gastarbeiterland zum Einwanderungsland geht es um Geschichten des Ankommens, Hierbleibens und Abschiednehmens, um Erfolge und Grenzen der Integration, um hybride Identitäten und Einbürgerung in einem umfassenden Sinn. Die Konferenz wird eingerahmt von der Filmreihe
Blicke zurück und nach vorn, der Podiumsdiskussion
Abschied aus Almanya? und der
Fotoausstellung "beyond", in denen verschiedene Aspekte des deutsch-türkischen Lebens in Deutschland vor Augen geführt werden.
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Fotoausstellung "beyond" - Fotos von Loredana Nemes 20. Okt. - 9. Nov. 2011, Mo-Fr, 8-20 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung Eröffnung 19. Oktober 2011, 21 Uhr
Unterwegs im nächtlichen Berlin nähert sich Loredana Nemes den Männerwelten in türkischen und arabischen Lokalen in Kreuzberg, Neukölln und Wedding, zu denen ihr der Zutritt als kulturell nicht zugehöriger Frau sonst verwehrt bleibt. Neben den klar komponierten Aufnahmen der Außenansichten dieser geheimnisvollen Orte, die wie wundersame Leuchtkästen wirken, entstehen Porträts der Cafébesucher, schemenhaft wahrgenommen und ausdrucksstark. Während die Fotografin mit ihrer Linhoff-Plattenkamera draußen bleibt, posieren die Männer hinter dem charakteristischen Sichtschutz aus Milchglas und Vorhängen. Eine Begegnung entsteht, die uns Grenzen aufzeigt – kulturelle und visuelle. |